Unternehmenskredit aufnehmen: Die 4 goldenen Regeln zur Finanzierung

Unternehmenskredit aufnehmen
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Folgendes erwartet dich in diesem Beitrag zum Thema Unternehmenskredit aufnehmen:

Kennst du den Witz schon?

Kommt ein Unternehmer zur Bank und sagt: „Ich brauche einen Kredit.“

Der Bankberater darauf: „Wofür denn?“

Der Unternehmer: „Um die Rate für den Kredit abzubezahlen, den ich aufgenommen habe, um mein Konto auszugleichen.“

Hinter diesem Witz steckt leider eine Menge Wahrheit für Unternehmen bis 100 Mitarbeiter. Viele Unternehmen sind streng genommen hoch verschuldet und kommen auch nicht aus den Schulden raus.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du anhand von 4 konkreten Fragen entscheiden kannst, ob ein Unternehmenskredit für euch sinnvoll ist und welche Variante am besten passt.

Unternehmenskredite sind Motor für Wachstum

Unternehmenskredite sind ein  völlig normales und sogar sehr effektives Instrument für gesundes Wachstum. 

Der Unterschied zwischen solider Finanzierung konkreter Vorhaben und gefährlicher Verschuldung ist selten der Kredit an sich, sondern der Kombination aus falscher Fristenlogik und Kontokorrent als Dauerlösung.

Wenn du als Geschäftsführer unsicher bist, ob du einen Kredit aufnehmen solltest, nutzen wir in unserem Controlling-Sparring vier gezielte Fragen, um herauszufinden was es braucht und dabei gilt folgende Logik:

„Erst klären wir WOFÜR. Dann legen wir fest WIE LANGE. Dann rechnen wir, ob es TRAGBAR ist. Und am Ende schauen wir, ob der gewünschte Liquiditätseffekt auch eintritt.

Frage 1: Wofür braucht ihr den Unternehmenskredit?

Der Zweck entscheidet, welche Finanzierung überhaupt sinnvoll ist. In der Regel benötigst du eine der 3 Optionen:

Sobald du das beantwortet hast, hast du die Finanzierung schon halb entschieden – weil jede Kategorie eine klare „Standardlogik“ hat.

Stelle bei der Frage sicher, dass du immer einen konkreten Anwendungsfall pro Finanzierung hast und vermische keine Investitionen mit Working Capital Finanzierungen.

Frage 2: Wie lange ist dein Cash gebunden – und passt die Laufzeit dazu?

Hier kommt eine der wichtigsten Regel für Unternehmenskredite ins Spiel: die goldene Bilanzregel:

Goldene Bilanzregel: Langfristig gebundenes Vermögen soll durch langfristiges Kapital finanziert werden

In anderen Worten: Finanziere Vermögen nach seiner Bindungsdauer.

  • Alles, was mehrere Jahre Nutzen bringt, sollte auch mehrere Jahre finanziert sein – also ein langfristiger Kredit mit Rückzahlung.
  • Alles, was kurz Cash bindet, darf kurzfristig finanziert sein – wie eine Working Capital Linie oder ein Kontokorrent.

Aus Frage 1 wissen wir, wofür den Unternehmenskredit nutzen Jetzt legen wir also die Fristigkeit dahinter. Das sieht dann so aus:

Wenn wir die Laufzeit passend zur Bindungsdauer gewählt haben, ist die Struktur schon mal logisch. Aber logisch heißt noch nicht tragfähig. Hier kommt Frage 3 ins Spiel.

Stelle bei der Frage sicher, dass du immer einen konkreten Anwendungsfall pro Finanzierung hast und vermische keine Investitionen mit Working Capital Finanzierungen.

Lade dir hier meine kostenlose Excel-Vorlage herunter, um eine bankfähige Cashflow Planung für deine Finanzierung zu erstellen

Frage 3: Trägt der Cashflow die Finanzierungskosten?

Ob ihr euch euren Unternehmenskredit leisten könnt, wird nicht durch Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe entschieden, sondern durch eine solide Cashflow Planung

Mit Cashflow meine ich nicht einfach „Einzahlungen minus Auszahlungen am Bankkonto, sondern die indirekte Cashflow-Rechnung, die dir zeigt, woher das Geld kommt und warum es geflossen ist. Und die besteht im Kern aus folgender Struktur:

Position Logik
Perioden-Gewinn gemäß GuV
Gewinn oder Verlust gemäß Rechnungsstellung
+
Abschreibungen
Kein Abfluss von Liquidität
Cashflow aus dem Ergebnis
+/-
Veränderung Forderungen
Forderungen ↗ = CF ↘ (kein Zufluss von Liquidität)
+/-
Veränderung Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten ↗ = CF ↗ (kein Abfluss von Liquidität)
+/-
Veränderung Rückstellungen
Rückstellungen ↗ = CF ↗ (kein Abfluss von Liquidität)
+/-
Veränderung sonstige nicht zahlungswirksame Positionen
Abhängig von jeweiliger Position
=
Operativer CF
+/-
CF aus Investitionen
Investitionen ↗ = CF ↘ (Abfluss von Liquidität)
=
Free CF
+/-
CF aus Finanzierung
Tilgung von Krediten bzw. Zinsen ↗ = CF ↘ (Abfluss von Liquidität)
=
Veränderung der Liquidität

Diese Cashflow Struktur, die aus deiner Buchhaltung kommt, liefert gleich vier zentrale Kennzahlen:

Und daraus folgen 3 einfache Checks:

Wenn diese Checks in deiner Cashflow Planung bestanden sind, sind die Voraussetzungen für einen Unternehmenskredit schon sehr gut.

Erstelle für deine Cashflow Planung immer zumindest 2 Szenarien: 

  • Erwartete Entwicklung
  • Pessimistische Entwicklung

Wenn in beiden Szenarien die Cashflow Checks funktionieren, dann bist du gut aufgestellt.

Frage 4: Tritt der gewünschte Liquiditätseffekt wirklich ein?

Nun wissen wir: wofür wir das Geld benötigen, wie lang es gebunden ist und ob wir uns den Kredit leisten können.

In der Praxis scheitert Finanzierung aber daran, dass es zusätzlich zum Kredit eine fixe Dispo oder Kontorrektlinie gibt, die wie ein nie rückzahlbarer Kredit behandelt wird.

Und dann passiert genau das, was viele unterschätzen: Du zahlst brav deine Kreditrate – aber die Liquidität wird trotzdem nicht besser, weil die Linie dauerhaft „Grundlast“ bleibt.

Ein Kontokorrent hat zwei mögliche Rollen:

Und natürlich braucht ein Kontokorrent eine Rückführungslogik. Wenn die Rückführung nicht planbar ist, ist Kontokorrent kein gesteuertes Instrument, sondern ein Risiko – egal was du sonst noch finanzierst.

Ein gesunder Kontokorrent hat eine so genannte Swing-Komponente: Er geht in Spitzen hoch und kommt wieder nach unten – idealerweise mehrfach im Jahr.

Fazit: Wann ist ein Unternehmenskredit sinnvoll?

Wenn du deine Finanzierung sauber entscheiden willst, brauchst du eine klare Entscheidungsstrukur mit diesen 4 Fragen:

  1. Wofür wird der Unternehmenskredit genutzt (Investition vs. Working Capital)? 
  2. Wie lange bindet er Cash? (goldene Bilanzregel)
  3. Trägt dein Free Cashflow den Schuldendienst – und bleibt Reserve?
  4. Kommt der Liquiditätseffekt im Alltag an? (Kontokorrent-Check)

Wenn du diese vier Fragen ehrlich beantwortest, wird der Kredit wieder das, was er sein soll – ein Werkzeug für Wachstum.
Und du vermeidest genau das, was der Witz am Anfang beschreibt..

Weiterführende Informationen

Fly Controller: YouTube Anleitung zum Bankengespräch

trend.at: Tipps für die Vorbereitung des Bankgesprächs

Wir sind neugierig auf eure Erfahrungen!

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Die wichtigsten Fragen des Beitrags noch mal auf einen Blick

Für deine interne Vorbereitung einer Unternehmensfinanzierung sind 4 Fragen entscheidend:

  1. Wofür wird der Unternehmenskredit genutzt (Investition vs. Working Capital)? 
  2. Wie lange bindet er Cash? (goldene Bilanzregel)
  3. Trägt dein Free Cashflow den Schuldendienst – und bleibt Reserve?
  4. Kommt der Liquiditätseffekt im Alltag an? (Kontokorrent-Check)

Banken interessieren sich für folgende Kennzahlen bei der Kreditwürdigkeitsprüfung:

  • Umsatzentwicklung
  • Gewinne (Rentabilität)
  • Eigenkapitalquote
  • Cashflows
  • Verschuldungsgrad

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