So steuerst du dein Wachstum über Recurring Revenue

In der Welt der Dienstleister ist der Recurring Revenue das Utopia der Umsatzgenerierung. Regelmäßig wiederkehrende, planbare Umsätze bringen Stabilität und Vorhersehbarkeit in die Einnahmen und scheinbar endlose Möglichkeiten, die Kosten dahinter zu optimieren. Aber ist das so?
In diesem Beitrag machen wir deinen Deep Dive in den Reccuring Revenue und ich zeige dir, wie du dieses spezielle Revenue Modell steuerst und effektiv planst. Tauchen wir ein!
Recurring Revenue = Umsatz, oder doch nicht?
Beim Recurring Revenue Geschäftsmodell, zahlt der Kunde – ähnlich wie bei einem Retainer – eine immer gleiche Pauschale für eine feste Leistung oder eine bestimmte Anzahl von Stunden. Es handelt sich dabei meist um ein Abo, das der Kunde abschließt und sich damit für einen Zeitraum bindet. Die Zahlungen sind oft unabhängig von der Bindung (z.B.: jährliche Bindung, monatliche Zahlung). Typische Anwendungsfälle für ein Recurring Revenue Modell sind:
Recurring Revenue = Regelmäßig wiederkehrende Umsätze, die mit Abonnement Kunden erzielt werden.
Umsatz = die Summe der in einer Periode verkauften Leistungen
- Upgrade des Abos von 100 EUR auf 250 EUR pro Monat: +250 EUR Umsatz, +150 EUR Recurring Revenue
- Kündigung des Abos: Kein Effekt auf Umsatz, -250 EUR Recurring Revenue
Deep Dive: Eine vollständige Gegenüberstellung von Umsatz und Recurring Revenue findest du hier.
Wo ist der Recurring Revenue in meinen Finanzberichten?
- 1. Vorauszahlung als Passive Rechnungsabgrenzung: Wenn ein Kunde im Voraus zahlt, wird dieser Betrag zunächst als Passiver Rechnungsabgrenzungsposten in der Bilanz erfasst. Das ist wie eine Verbindlichkeit an deinen Kunden, da die Leistung noch erbracht werden muss.
- 2. Forderung an Kunde solange Zahlung noch nicht erfolgt ist: Solange der Kunde nicht bezahlt hat, ist die offene Rechnung als Forderung gegenüber dem Kunden in der Bilanz erfasst.
- 3. Zahlungseingang in der Bilanz: Sobald der Kunde gezahlt hat, ist die Forderung weg und das Bankkonto steigt. Es ist aber noch kein Umsatz passiert (so viel zur Sinnhaftigkeit von Management by Bankkonto).
- 4. Monatlicher Umsatz gemäß Leistung: Mit jeder erbrachten Leistungseinheit (z. B. monatlich) wird der Umsatz in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst.
- 5. Auflösung der Passiven Rechnungsabgrenzung gegen Umsatz: Parallel zur Umsatzrealisierung wird die Passive Rechnungsabgrenzung in der Bilanz reduziert.
Pro Tipp: Eine monatlich korrekte Bilanz ist essenziell, um deinen Recurring Revenue gut zu steuern. Hier findest du die wichtigsten Tipps für deinen korrekten Monatsabschluss.
Wie plane ich meinen Recurring Revenue?
Recurring Revenue mit monatlichen Zahlungen
- Umsatz: Jeden Monat wird der vereinbarte Betrag als Umsatz verbucht.
- Zahlungsziel: Je nach Vertragsbedingungen, z. B. 14 Tage nach Rechnungsstellung.
- Cash-Eingang: Der Zahlungseingang erfolgt entsprechend dem Zahlungsziel und erhöht die liquiden Mittel.
Recurring Revenue mit quartalsweisen oder jährlichen Zahlungen
- Anzahlung einmalig: Bei Vertragsbeginn zahlt der Kunde den gesamten Betrag im Voraus, der als Passive Rechnungsabgrenzung in der Bilanz erfasst wird.
- Zahlungsziel: Je nach Vertragsbedingungen auf die Anzahlung, z. B. 14 Tage nach Rechnungsstellung.
- Cash-Eingang: Der Zahlungseingang erfolgt entsprechend dem Zahlungsziel und erhöht die liquiden Mittel.
- Umsatz monatlich: Jeden Monat wird ein Teil der Anzahlung als Umsatz realisiert.
- Auflösung der Passiven Rechnungsabgrenzung gegen Umsatz: Mit der monatlichen Umsatzrealisierung wird die Verbindlichkeit in der Bilanz entsprechend reduziert.
Pro Tipp: Eine gute Finance Software automatisiert den Prozess der Recurring Revenue Planung für dich. Hier sind 5 heiße Eisen für Finanzplanung-Tools.
Mit diesen 3 Zahlen weißt du, ob dein Recurring Revenue funktioniert
Ein erfolgreiches Recurring Revenue Modell ist nicht nur gut geplant, sondern erhöht deine Liquidität, in dem du den Kunden zu deiner Bank machst und Vorauszahlungen für deine Leistungen einforderst. Wenn ich mir mit meinen Kunden ihr Recurring Revenue Modell auditiere, schaue ich mir an, ob die folgenden 3 Kennzahlen steigen:
- Umsatz: Der Umsatz zeigt, ob die monatlichen Leistungen aus dem Recurring Revenue Modell wachsen.
- Bankguthaben: Wenn du Vorauszahlungen verlangst, muss dein Bankkonto durch dein Recurring Revenue Modell konstant wachsen.
- Passive Rechnungsabgrenzungen: Wenn dein Recurring Revenue wächst und du es schaffst, Vorauszahlungen zu incentivieren, steigen auch die Passiven Rechnungsabgrenzungen und du hast dir langfristige Bindung gesichert.
Pro Tipp: Mach dir ein Dashboard, das dir jeden Monat diese 3 Kennzahlen und ihre Entwicklungen nebeneinander darstellt. Dann hast du den vollen Überblick über das Wachstum.
Fazit: Recurring Revenue als Schlüssel
Ein Recurring Revenue Modell ist ein zentraler Schlüssel zu einem stabilen und vorhersehbaren Umsatzwachstum für Dienstleister. Das klappt aber nur, wenn du ihn richtig in deinen Finanzberichten abbildest und alle Aspekte – von der Anzahlung bis zur Umsatzerbringung – optimierst.
Weiterführende Informationen
Simon Kucher Consultants: Übersicht über Recurring Revenue Modelle
OMR: Subscription Management Software im Test
Wir sind neugierig auf eure Erfahrungen!
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Die wichtigsten Fragen des Beitrags noch mal auf einen Blick
- Umsatz (Wachstum der Leistungen)
- Bankguthaben (Vorauszahlungen)
- Passive Rechnungsabgrenzungen (Kundenbindung)
- Autor: Bernhard Frühlinger
- Datum:
- Lesezeit: 4 min.
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