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Warum ist mein Gewinn nicht auf dem Konto? Der (un)erklärbare Unterschied zwischen Gewinn und Cashflow

Wir werden in unseren Controlling-Sparrings immer wieder gefragt: „Warum ist der Gewinn, den wir machen, nicht auf unserem Firmenkonto angekommen?“ oder „Warum passt das Reporting nicht zum Kontostand?“.  Der Grund hierfür liegt im – für BWL-Studenten verhassten und für Nicht-BWLer oft unverständlichen – Unterschied zwischen Gewinn und Cash Flow. Wir erlauben uns in diesem Beitrag einen Erklärungsversuch:

Zu Beginn zwei Definitionen:

Der Gewinn zeigt das Periodenergebnis deines Unternehmens und beantwortet die Frage, wie profitabel dein Unternehmen ist. Wenn dein Unternehmen eine doppelte Buchführung (z.B.: GmbH) hat, ist hier das Rechnungsdatum der Belege relevant.

Der Cash Flow zeigt die Veränderungen der liquiden Mittel deines Unternehmens und beantwortet die Frage, wieviel Geld noch vorhanden ist. Der Cash Flow steigt bei Einzahlungen (z.B.: auf deinem Bankkonto) und sinkt bei Auszahlungen. Hier ist also das Zahlungsdatum bzw. wann tatsächlich Geld geflossen ist, relevant.

Der Unterschied zwischen Gewinn und Cash Flow ist also einerseits eine Frage des Betrachtungszeitraums und andererseits eine Frage der berücksichtigten Elemente (Umsatz/Kosten vs. Einzahlungen/Auszahlungen). Folgende Grafik zeigt den Unterschied:

Was aber beeinflusst nun die Tatsache, dass dein Ergebnis nicht auch Bankkonto ist? Drei wesentliche Treiber sind hierfür relevant.

1. Das Geld ist noch nicht geflossen

Während in der Gewinn- und Verlustrechnung das Rechnungsdatum berücksichtigt wird, ist dieses dem Cash Flow eigentlich ziemlich egal. Für ihn zählt nur: „Wann ist tatsächlich Geld geflossen?“. Ein Beispiel dazu:

Es ist wieder der Monatsletzte, sagen wir der 31.03. und du stellst deinem Kunden noch schnell eine  Rechnung in Höhe von 10.000 EUR für deine Leistung im März aus. Nehmen wir auch an, dass dein Kunde nicht mehr am selben Tag überweist. Es handelt sich also zum Zeitpunkt des 31.03. um eine Forderung an deinen Kunden. Gleichzeitig erhältst du am selben Tag deine Online-Marketing Abrechnung von Google in Höhe von 1.000 EUR, die erst am 05.04. automatisch abgebucht wird.

 

Was passiert nun:

Während sich also das Periodenergebnis aus diesen beiden Vorgängen um 9.000 EUR erhöht hat, ist im Cash Flow noch nichts passiert, da noch keine Zahlungen geflossen sind.

2. Erträge und Aufwendungen, die nicht Cash Flow-relevant sind

Jetzt wird’s etwas technisch. Schlaue Accounting-Köpfe haben schon vor langer Zeit festgestellt, dass es ja nicht nur die Rechnungen und Lohnzettel sind, die für die Gewinnermittlung relevant sind, sondern, dass es ja auch so etwas wie „nicht Cash Flow-wirksame Erträge und Aufwendungen“ gibt. Darunter fällt beispielsweise die von Steuerschonern geliebte AfA (= Abschreibung auf Anlagevermögen), aber auch Sachen wie Veränderung von Rückstellungen, Bestandsveränderungen im Lager etc. Lass uns auch hier ein Beispiel ansehen:

Du kaufst ein Firmennotebook für 1.000 EUR und bekommst von deinem Steuerberater die Info, dass die Nutzungsdauer 3 Jahre und somit die jährliche Abschreibung 333 EUR (= 1.000 EUR / 3 Jahre) beträgt.

 

Was passiert nun:

Während also in der Gewinn- und Verlustrechnung nur die Aufwendungen für die jährliche Abschreibung deines Notebooks berücksichtigt werden, werden diese beim Cash Flow nicht berücksichtigt. Hier zählt wieder nur die Frage, wann das Geld tatsächlich geflossen ist.

3. Einzahlungen und Auszahlungen die nicht gewinnrelevant sind

Es gibt natürlich auch den umgekehrten Fall: Einzahlungen und Auszahlungen, die nicht gewinnrelevant sind. Klingt komisch? Lass uns das Beispiel von oben nochmal aufgreifen, dabei sehen wir, dass die 1.000 EUR für das Notebook den Cash Flow in voller Höhe im ersten Jahr belasten, während die Gewinn- und Verlustrechnung „nur“ die jährliche Abschreibung berücksichtigt.

Ein zweiter Fall hierfür wären Kredite oder Förderdarlehen, die du ausbezahlt bekommst. Diese sind Cash Flow-wirksam, da du ja schließlich Geld bekommst. Sie sind aber der Gewinn- und Verlustrechnung egal, da es keine echten Erträge sind. Nehmen wir an, dein Unternehmen erhält ein Bankdarlehen in Höhe von 200.000 EUR, dieses musst du über 5 Jahre in gleichen Beträgen zurückzahlen und zusätzlich noch jährlich 1% Zinsen zahlen.

 

Was passiert nun:

Hier sind der Gewinn- und Verlustrechnung die Darlehenszahlungen egal, da nur die Zinsen dafür einen gewinnwirksamen Aufwand darstellen.

Wie du siehst, müssen auch wir bei der Frage „Warum ist mein Gewinn nicht auf dem Konto?“ die ungeliebte Beraterantwort „Es kommt darauf an“ geben. Wir hoffen, dir mit diesem Beitrag aber ein paar mögliche Antworten gegeben zu haben.

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