Integrierte Planung: So bringt ihr GuV, Bilanz und Cashflow unter ein Dach

Integrierte Planung

Folgendes erwartet dich in diesem Beitrag über Integrierte Planung:

Die integrierte Planung gilt als Königsklasse der Unternehmensplanung, da sie die Bereiche Profitabilität, Bilanz und Cashflow in einem geschlossenem System abbildet und somit das Unternehmen vollumfassend abbildet.

Gerade bei der Bilanzplanung herrscht unter Klein- und Mittelunternehmen der Mythos, dass dies nur etwas für „die Großen“ ist. Dabei kann eine integrierte Planung sehr einfach aufgesetzt werden.

In diesem Blogbeitrag zeigen wir euch, wie ihr mit ein paar pragmatischen Kniffen, eine integrierte Planung von Profitabilität, Bilanz und Cashflow für euer Unternehmen implementieren könnt.

1. Integrierte Planung: Profitabilität

Der erste Schritt zur integrierten Planung ist die Profitabilität. Hierzu wird in der Regel die Struktur der Gewinn- und Verlustrechnung genutzt. Diese zeigt das Unternehmensergebnis durch Gegenüberstellung von Erträgen und Aufwendungen. Das Schema für die Planung sieht so aus:

GuV Position Beispiel
+
Umsatzerlöse
Rechnungen an Kunden
+
Bestandsveränderungen
Veränderung Lagerbestand
+
Aktivierte Eigenleistungen
Zur eigenen Verwendung erstelltes Anlagevermögen
+
Sonstige betriebliche Erträge
Zuschüsse, Mieterträge
-
Material und bezogene Leistungen
Materialaufwand, Wareneinkauf, Fremdleistungen
-
Personalaufwand
Löhne, Gehälter inkl. Nebenkosten
-
Sonstige betriebliche Aufwendungen
Miete, Beratung, Versicherungen, IT etc.
-
Abschreibungen
Abschreibung auf Anlagevermögen
=
EBIT
Ergebnis vor Zinsen und Steuern
+/-
Finanzergebnis
Erträge und Aufwendungen aus Finanzen (z.B.: Zinsen)
+/-
Steuern vom Einkommen und Ertrag
z.B.: Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer
=
Ergebnis nach Steuern
Gewinn oder Verlust nach Abzug Steuern
+/-
Sonstige Steuern
z.B. Grunderwerbsteuer
=
Periodenergebnis
Gewinn oder Verlust

Damit wir die Profitabilität einfacher planen können, könnt ihr diese in einzelne Teilpläne zerlegen. Folgende Struktur bietet sich an:

Unser Tipp: Eine detaillierte Erläuterung zur Erstellung der Profitabilitätsplanung haben wir in unserem Blogbeitrag aufgeschrieben: Plan Gewinn- und Verlustrechnung

Mit dieser Vorlage könnt ihr eure Erträge und Aufwendungen planen und das Ergebnis ableiten

2. Integrierte Planung: Bilanz

Soweit so einfach. Der nächste und gleichsam wichtigste Schritt zur integrierten Planung ist die Erstellung der Planbilanz. Die Bilanz zeigt den Bestand der Vermögenswerte (Aktiva, Mittelverwendung) und des Kapitals (Passiva, Mittelherkunft). Die Bilanz ist wie folgt aufgebaut:

Position Inhalt
A.
Anlagevermögen
Immaterielle Vermögensgegenstände, Sachanlagen, Finanzanlagen
B.
Umlaufvermögen
Working Capital Bestandteile
Vorräte
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, (Un-)fertige Waren
Forderungen
an Kunden, Steuern, sonstige
Kasse & Bankguthaben
Verfügbares Guthaben auf Bankkonten und in der Handkasse
C.
Aktive Rechnungsabgrenzungen
Bezahlte Aufwendungen, die wirtschaftlich in das Folgejahr gehören
=
Summe Aktiva
A. + B. + C.
A.
Eigenkapital
Stammkapital, Kapital-/Gewinnrücklagen, Gewinn-/Verlustvortrag, Periodenergebnis
B.
Rückstellungen
für Abfertigungen, Pensionen, Steuern etc.
C.
Verbindlichkeiten
an Lieferanten, Steuer, Sozialversicherungen, Banken, sonstige
D.
Passive Rechnungsabgrenzungen
Erhaltene Zahlungen für Erträge, die wirtschaftlich in das Folgejahr gehören
=
Summe Passiva
A. + B. + C. + D.

In der integrierten Planung hängt die Bilanz direkt mit der Profitabilität zusammen. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass in der Bilanz Bestandswerte (z.B.: der Bestand an Forderungen) dargestellt werden, während die Profitabilität Periodenwerte (z.B.: Umsatzerlöse im aktuellen Monat) zeigt.

Im Folgenden zeigen wir euch das Vorgehen zur Erstellung der integrierten Planung je Bilanzposition:

Integrierte Planung des Anlagevermögens:

Die Planung des Anlagevermögens berücksichtigt Investitionen und der Abschreibungen auf das Anlagevermögen. Die Formel für die Planung des Anlagevermögens in der Bilanz lautet: 

Bestand Anlagevermögen = Bestand zum Periodenanfang + Investitionen – Abschreibungen – Desinvestitionen

In der integrierten Planung hat die Planung des Anlagevermögens sowohl Auswirkung auf die Bilanz als auch auf die Profitabilität:

Unser Tipp: Der Anlagenspiegel ist eine gute Basis zur Planung. Er zeigt den Bestand des Anlagevermögens sowie laufender Abschreibungen. Fragt diesen bei eurer Steuerberatung an.

Integrierte Planung der Vorräte:

Die Planung der Vorräte berücksichtigt die Veränderung des Lagerbestands an Waren, Materialen sowie Rohstoffen. Dabei sind zwei Sachverhalte relevant:

In der integrierten Planung sind die Vorräte eng an die Planung der Erlöse und Materialkosten in der Profitabilität geknüpft und sollten auch immer synchronisiert sein. Folgende Logik gilt hier:

Sachverhalt Profitabilität Bilanz
Lageraufbau
Berücksichtigung Ergebniseffekt: (+) Erträge aus Bestandsveränderungen (-) Materialkosten
Abbildung des Lagers: (+) Vorräte für Waren, Material, Rohstoffe
Lagerabbau
Berücksichtigung Ergebniseffekt: (+) Erlöse für Verkäufe (-) Materialkosten für Verkäufe (-) Bestandsveränderungen in Materialkosten
Abbildung des Lagers: (-) Vorräte für Waren, Material, Rohstoffe

Unser Tipp: Um die Planung der Vorräte auch mit aussagekräftigen Ist-Zahlen vergleichen zu können, solltet ihr eine monatliche Berechnung eures Lagerstands etablieren.

Forderungen:

Die Forderungen in der Bilanz lassen sich aus der Profitabilität ableiten und zwar nach folgender Logik:

Während in der Profitabilität der Nettobetrag und der  Leistungszeitraum relevant sind, zeigt die Bilanz den Bruttobetrag zum Stichtag. Zur Erstellung der integrierten Planung könnt ihr dabei so vorgehen:

Position Bilanz Basis aus Profitabilität Ergänzungen Logik
Forderungen Kunden
Umsatzerlöse
Umsatzsteuer, Zahlungsziele
Forderungen↗: Umsatzerlöse ohne Einzahlungen Forderungen↘: Einzahlungen für Umsatzerlöse erhalten
Forderungen Steuer
Material- und bezogene Leistungen, sonstige betriebliche Aufwendungen
Vorsteuer
Forderungen↗: Erhaltene Eingangsrechnungen Forderungen↘: Ausgleich Steuerkonto beim Finanzamt

Neben den oben genannten Forderungskategorien sind in der integrierten Planung gegebenenfalls noch weitere Forderungen relevant, wie etwa Forderungen an verbundene Unternehmen oder Gesellschafter.

Kasse & Bankguthaben:

Kasse und Bankguthaben dienen in der integrierten Planung oft als Ausgleichsposten, da sich diese aus den anderen Planwerten errechnen. Aus der Planung aller Bilanzpositionen ergibt sich in der Regel eine Bilanzabweichung, die durch Kasse & Bankguthaben nach folgender Logik ausgeglichen werden muss:

Kasse & Bankguthaben = ∆ Aktiva – Passiva

Sofern der errechnete Wert häufig nicht realistisch oder im Falle eines zu hohen negativen Betrags nicht möglich ist, müssen die anderen Planpositionen weiter justiert werden.

Eigenkapital:

Das Eigenkapital in der Bilanz lässt sich in Teilen aus der Profitabilität ableiten und zwar nach folgender Logik:

Periodenergebnis = Jahresergebnis im Eigenkapital

Während das Periodenergebnis das Eigenkapital automatisch laufend verändert, gibt es in der Bilanz noch weitere Bestandteile des Eigenkapitals, die bei der Planung zu berücksichtigen sind.

Position Eigenkapital Basis Ergänzungen
Stammeinlage
Geleistete Stammeinlage der Gesellschafter
(+) Kapitalerhöhung, (-) Kapitalherabsetzung
Kapital- / Gewinnrücklage
Geleistete Kapital- bzw. Gewinnrücklagen
(+) Bildung Rücklagen, (-) Auflösung Rücklagen
Gewinn-/Verlustvortrag
Summe Periodenergebnisse der Vorjahre
Änderungen durch Jahresabschluss des Vorjahres
Jahresergebnis
Periodenergebnis aus Profitabilität
Abgrenzungen, Bestandsveränderungen

Verbindlichkeiten:

Die Verbindlichkeiten in der Bilanz lassen sich aus der Profitabilität ableiten und zwar nach folgender Logik:

Während in der Profitabilität der Nettobetrag und der  Leistungszeitraum relevant sind, zeigt die Bilanz den Bruttobetrag zum Stichtag. Zur Erstellung der integrierten Planung könnt ihr dabei so vorgehen:

Position Bilanz Basis aus Profitabilität Ergänzungen Logik
Verbindlichkeiten Lieferanten
Material- und bezogene Leistungen, sonstige betriebliche Aufwendungen, Investitionen
Vorsteuer, Zahlungsziele
Verbindlichkeiten ↗: Erhaltene Rechnungen ohne Auszahlungen Verbindlichkeiten ↘: Auszahlungen für Rechnungen getätigt
Verbindlichkeiten Steuer
Umsatzerlöse
Umsatzsteuer
Verbindlichkeiten ↗: Gestellte Ausgangsrechnungen Verbindlichkeiten ↘: Ausgleich Steuerkonto beim Finanzamt

Neben den oben genannten Verbindlichkeitskategorien sind in der integrierten Planung gegebenenfalls noch weitere Verbindlichkeiten relevant, wie etwa Verbindlichkeiten an verbundene Unternehmen oder Gesellschafter bzw. Sozialversicherungen. Eine Sonderstellung nehmen Verbindlichkeiten aus Kredite und Darlehen ein:

Integrierte Planung von Krediten und Darlehen:

Kredite und Darlehen sind in der Bilanz als Verbindlichkeiten abgebildet, bedürfen in der Planung jedoch einer eigenen Logik. Für die integrierte Planung sind zwei Sachverhalte relevant:

In der integrierten Planung haben Kredite und Darlehen direkten Effekt auf das Finanzergebnis in der Profitabilität. Folgende Logik gilt hier:

Sachverhalt Profitabilität Bilanz
Kreditaufnahme
Berücksichtigung initiale Kosten: (-) Errichtungsgebühren
Abbildung Verbindlichkeitsbestand: (+) Aufnahme
Kredittilgung
Berücksichtigung laufende Kosten: (-) Bankgebühren, (-) Zinsen
Abbildung Verbindlichkeitsbestand: (-) Tilgung

Unser Tipp: Hier kommt ein cooler Text, der nicht länger als Zeilen lang sein sollte. Mehr Text würde den User vielleicht überfordern und (ca. 200 Zeichen inkl. Leerzeichen)

Mit dieser Vorlage könnt ihr eure Aktiva und Passiva planen und die Bilanzkennzahlen ableiten

3. Integrierte Planung: Cashflow

Die Krönung der integrierten Planung ist der Cashflow Plan. Dieser zeigt die prognostizierte Veränderung der liquiden Mittel und somit die Entwicklung der Finanzkraft.

Für viele Unternehmen stellt die Cashflow Planung eine Herausforderung dar, die häufig in die berüchtigte „Viel Detail hilft viel“ Falle führt. Eine große Stärke der integrierten Planung ist, dass sich die Cashflow Planung automatisch aus den Planungen für Profitabilität und Bilanz ergibt. Die Struktur der Cashflow Planung sieht wie folgt aus:

Position Logik Quelle
Perioden-Gewinn
Gewinn oder Verlust
Profitabilität
+
Abschreibungen
Zurechnung auf Periodengewinn
Profitabilität
+/-
Veränderung Forderungen
Forderungen ↗ = CF ↘ (kein Zufluss von Liquidität)
Bilanz
+/-
Veränderung Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten ↗ = CF ↗ (kein Abfluss von Liquidität)
Bilanz
+/-
Veränderung Rückstellungen
Rückstellungen ↗ = CF ↗ (kein Abfluss von Liquidität)
Bilanz
+/-
Veränderung sonstige nicht zahlungswirksame Positionen
Abhängig von jeweiliger Position
Bilanz
=
Operativer CF
+/-
CF aus Investitionen
Investitionen ↗ = CF ↘ (Abfluss von Liquidität)
Bilanz
=
Free CF
+/-
CF aus Finanzierung
Tilgung von Krediten bzw. Zinsen ↗ = CF ↘ (Abfluss von Liquidität)
Bilanz
=
Veränderung der Liquidität

Wie oben dargestellt, ist der Cashflow in der integrierten Planung das abgeleitete Resultat aus der Profitabilität (Gewinn oder Verlust) und der Veränderung der Bilanzpositionen.

Unser Tipp: Eine detaillierte Erläuterung zur Erstellung der Cashflow Planung haben wir in unserem Blogbeitrag aufgeschrieben: Cashflow Planung

Fazit: Die integrierte Planung ist die beste Form der Unternehmensplanung

Die integrierte Planung ermöglicht eine 360 Grad Sicht auf die Entwicklung eures Unternehmens und lässt euch Risiken in allen Bereichen frühzeitig erkennen. Mit ein paar pragmatischen Abkürzungen könnt ihr eine integrierte Planung auch rasch etablieren.

Weiterführende Informationen

sevDesk: Tipps zur Erstellung der Finanzplanung von unserem Integrationspartner

Haufe: Erläuertung zur Koordination von GuV, Bilanz- und Liquiditätsplanung

Wir sind neugierig auf eure Erfahrungen!

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Die wichtigsten Fragen des Beitrags noch mal auf einen Blick

Die integrierte Planung ist ein Planungssystem, das die aufeinander abgestimmte Planung von Gewinn- und Verlust, Bilanz und Cashflow ermöglicht.

Die integrierte Planung ermöglicht die Prognose der Auswirkungen von Änderungen in einer Teilplanung für die anderen Teilpläne. So können die Effekte von  Ergebnisänderungen direkt in der Cashflow Planung abgebildet werden.

Für die integrierte Planung wird zunächst die Profitabilität geplant, daraus über Zahlungsziele etc. die Bilanzplanung abgeleitet und ergänzt. Die Cashflow Planung ergibt sich aus Profitabilität und Bilanz.

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