EBITDA vs EBIT: Was ist der echte Gewinn?
- Autor: Bernhard Frühlinger
- Datum:
„If you hear the word EBITDA, substitute it with bullshit earnings.“ –
Charlie Munger, Investor & Vice chairman of Berkshire Hathaway
Gewinn ist Gewinn sollte man meinen. Aber die Geschichte ist voll von kreativen Darstellungen, die nicht immer aus rein ökonomischen Motiven gemacht werden. Der vielleicht historisch spannendste Kampf dazu wird EBITDA vs EBIT ausgetragen.
Wer misst den echten Gewinn?
In der Gewinn- und Verlustrechnung gibt es drei Kennzahlen, die den Anspruch darauf erheben, die echte Bewertung deines Gewinns zu liefern.
- EBT = Gewinn vor Steuern
- EBIT= Gewinn vor Zinsen und Steuern
- EBITDA= Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisierung
Der Unterschied zwischen den drei Kennzahlen sind jeweils nur ein paar Zeilen in der Gewinn- und Verlustrechnung:
GuV Struktur
Inhalte
Umsatz
Erlöse aus Leistungen
Sonstige Erträge
Sachbezüge, Förderungen
Material- und bezogene Leistungen
Subunternehmer, Material und Waren
Personalaufwand
Gehälter und Löhne
Sonstige betriebliche Aufwendungen
Büro, IT, Marketing, Beratung, Reisen, Mobilität
EBITDA
Ergebnis vor Zinsen, Steuern Abschreibungen, Amortisierung,
Abschreibungen
auf Sachanlagen, immaterielle Vermögen
EBIT
Ergebnis vor Zinsen und Steuern
Finanzergebnis
Zinsaufwendungen, Zinserträge
EBT
Ergebnis vor Steuern
Steuern
Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer
Jahresüberschuss
Ergebnis nach Steuern
Zugegeben: in manchen Unternehmen ist der Unterschied zwischen diesen Zahlen gleich null. Aber vielen hat der falsche Fokus schon Kopf und Kragen gekostet. Wir schauen uns in diesem Beitrag im Detail den Kampf zwischen EBITDA vs EBIT an.
Pro Tipp: Alle Gewinnkennzahlen bekommst du aus deiner Buchhaltung jeden Monat geliefert. Eine Controlling Software bereitet dir die Kennzahlen automatisiert auf.
Der Titelverteidiger: EBIT
Das EBIT ist die international am häufigsten genutzte Kennzahl, um die operative Performance von Unternehmen zu vergleichen, meist über die EBIT-Marge.
Die EBIT-Marge zeigt das Verhältnis zwischen dem EBIT und den Umsatzerlösen. Die Profitabilitätskennzahl bewertet damit den Erfolg aus dem operativen Geschäft ohne verzerrende Effekte wie Finanzierung (Zinsen) oder nationale Steuersätze.
EBIT-Marge = EBIT / Umsatz *100
Die EBIT Marge bereinigt also alles, was nicht direkt der operativen Performance dient und wird damit auch als primäre Größe für fast alle gewinnrelevanten Anwendungsfälle herangezogen:
- Multiples = Bei Unternehmensbewertungen wird oft ein EBIT-Multiple (z.B.: 4x EBIT) herangezogen
- Benchmarking= Fast alle internationalen Branchenbenchmarks beruhen auf dem EBIT
- Bonität= Neben Bilanz- und Cashflow-Größen ist das EBIT die primäre Gewinngröße für deine Bonität
Wenn du also deinen operativen Gewinn optimieren willst, dann orientiere dich primär am EBIT, denn das zeigt dir genau, wo du stehst.
Der Herausforderer: EBITDA
Das EBITDA fordert das EBIT aber seit Jahren allzu gerne heraus. Kann es bestehen? Nochmals zusammengefasst. Das EBITDA ist:
EBITDA = Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisierung
Der wesentliche Unterschied zum EBIT ist also das Ignorieren von Abschreibungen und Amortisierung. Ein Beispiel zur Verdeutlichung:
Sagen wir, dein Unternehmen kauft eine Maschine für 120.000 EUR und diese wird gesetzlich über 6 Jahre abgeschrieben. Dann passiert in deiner Buchhaltung Folgendes:
Position
Effekt
Investition
120.000 EUR
Laufzeit
6 Jahre
jährliche Abschreibung
20.000 EUR (120.000 EUR / 6 Jahre)
EBITDA
0 EUR (ignoriert Abschreibung)
Abschreibungen
-20.000 EUR
EBIT
-20.000 EUR
Der Unterschied zwischen den beiden Ergebnissen ist beträchtlich. Vor allem trifft dieser Unterschied investitionsintensive Branchen. Und genau daher kommt auch die Erfindung des EBITDA.
EBITDA ist kein Produkt der Betriebswirtschaftslehre. Es ist ein Produkt der US-Kabelindustrie. Ein gewisser John Malone, CEO von Tele-Communications Inc. (TCI), führte die Kennzahl in den frühen 1970er Jahren ein. Und er hatte gute Gründe:
Der Aufbau von Kabelnetzen erforderte enorme Vorabinvestitionen in Infrastruktur. Diese wurden über Jahre abgeschrieben und drückten den buchhalterischen Gewinn tief ins Minus – obwohl TCI operativ konstant Geld erwirtschaftete. Sein Argument: EBIT und Jahresüberschuss zeigen in einem wachsenden Kabelunternehmen gar nichts. EBITDA zeigt, was das Geschäft wirklich produziert.
Von dort lief die Kennzahl durch den M&A-Markt, in die Investmentbanken und in die Unternehmenskommunikation. Ein Meisterstück von Financial Storytelling.
Was ist faul mit dem EBITDA? Der Toys R Us Case:
Während CEOs und Investoren zunehmend auf EBITDA setzten, teilweise daran auch ihre Boni knüpften, häufte sich prominente Kritik an der Kennzahl. Die lauteste Stimme war Charlie Munger, Investor & Vice chairman of Berkshire Hathaway:
Hinter dieser Kritik steckt viel Wahrheit. Denn wenn du eine Maschine über 6 Jahre abschreiben musst, passiert das deshalb weil die Maschine wieder ersetzt werden muss. Das ist also echtes Geld, das du ausgegeben hast, mehrere Jahre einsetzt und später wieder ersetzen musst.
Das wirst du ausgeben. EBITDA tut so, als würde das nicht existieren. Warren Buffett, guter Freund von Charlie Munger, sagte es sinngemäß so:
„Unternehmen, die EBITDA als zentrale Kennzahl vermarkten, täuschen entweder sich selbst oder ihre Investoren. Wer glaubt, Abschreibungen seien kein echter Aufwand, der wartet auf die Zahnfee, um seine Maschinen zu ersetzen.“ – Warren Buffett
Ein besonders drastisches Beispiel hierzu ist Toys „R“ Us im Jahre 2016:
Toys „R“ Us GuV
WJ 2016/2017, in m$*
Umsatz
11,540
Adjusted EBITDA
792
Abschreibungen + Adjustments
332
EBIT
460
Finanzergebnis
-455
EBT
5
Steuern
-41
Jahresverlust
-36
Quelle: prnewswire.com
Toys „R“ Us schaffte ein sehr gutes EBITDA, hatte aber zu diesem Zeitpunkt rund 5 Milliarden Dollar Schulden, aufgebaut. Die jährliche Zinslast lag bei >400 Millionen Dollar.
Im September 2017 – fünf Monate nach Veröffentlichung dieser Zahlen – meldete Toys R Us Insolvenz nach Chapter 11 an.
Falsche Incentivierung: Das Pikante an der Story: CEO Dave Brandon hatte einen Vergütungsvertrag, der direkt an EBITDA-Ziele geknüpft war. Die hat er erreicht …
Mit all dieser berechtigten Kritik, bleibt die Frage: wofür ist das EBITDA dann wirklich sinnvoll? Ich sehe drei konkrete Anwendungsfälle:
- Immaterielles Vermögen: bei hohen Amortisierungen von immateriellen Vermögenswerten (Patente, M&A etc.), die nicht ersetzt werden müssen, ist das EBITDA operativ aussagekräftiger
- Multiples: Neben EBIT werden Multiples auch auf EBITDA gerechnet
- Benchmarking wenn deine Peer-Group auch nach EBITDA auswertet, was in den USA häufig der Fall ist
Das EBITDA bedient vor allem externe Anwendungsfälle, wie Bewertungen und Benchmarks. Für die interne Steuerung ist es nur in spezifischen Geschäftsmodellen geeignet.
EBITDA vs EBIT: Wer gewinnt den Kampf?
Wie du siehst, wir führen hier einen ungleichen Kampf. Während EBITDA primär ein Tool für externe Bewertungen und Vergleiche ist, dient das EBIT der tatsächlichen internen Profitabilität. Für mich bleibt das EBIT der Gewinner, da mir die interne Performance am wichtigsten ist. Deshalb geht mein Gewinn-Reinheitsgebot so:
Der einzig echte Gewinn ist der Gewinn nach Steuern, der international vergleichbarste ist das EBIT und das EBITDA kannst nehmen, wenn du keine Maschinen abschreibst, sondern immaterielles Vermögen, das nicht ersetzt werden muss, amortisierst.
Und genau nach dieser Logik empfehle ich dir, deine Gewinn- und Verlustrechnung jeden Monat strukturiert zu analysieren und Schritt für Schritt zu optimieren. Wenn du dabei hilfe brauchst, buch dir gerne hier einen Termin für ein kostenfreies Gespräch mit mir.
Die wichtigsten Fragen des Beitrags noch mal auf einen Blick
EBITDA steht für Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization – auf Deutsch: Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Du berechnest es, indem du zum Jahresüberschuss Zinsen, Steuern und alle Abschreibungen wieder hinzurechnest. Die Kennzahl soll die operative Ertragskraft zeigen – unabhängig von Finanzierungsstruktur, Steuerbelastung und Abschreibungsmethoden.
EBITDA ist als Verhandlungs- und Vergleichsgröße in klar definierten Kontexten einsetzbar: beim Unternehmensverkauf als gemeinsame Ausgangsbasis zwischen Käufer und Verkäufer, oder beim Branchenvergleich, wenn alle Marktteilnehmer mit derselben Kennzahl arbeiten. Als interne Steuerungsgröße ist EBITDA ungeeignet – dafür fehlt der Bezug zu Cashflow, Reinvestitionsbedarf und Schuldendienst.
Mungers Kernkritik: Abschreibungen sind keine buchhalterische Spielerei, sondern echte, künftige Ausgaben. Wenn eine Maschine verschleißt, muss sie ersetzt werden – das ist reales Geld, das EBITDA unsichtbar macht. Dazu ignoriert EBITDA die Zinslast vollständig. Toys R Us ist das Paradebeispiel: 792 Millionen Dollar EBITDA im Geschäftsjahr 2016, fünf Monate später Insolvenz.
Ich bin neugierig auf eure Erfahrungen!
Bernhard Frühlinger
Weiterführende Informationen
Externe Beiträge
Verwandte Artikel
Hol' dir exklusive Controlling Insights!
Schau dir unseren meist gelesenen Newsletter zum Thema “Gewinn steigern” schon vorab an, um auf den Geschmack zu kommen!













