Keep on rollin‘: Wie du mit einem Rolling Forecast Sicherheit und Flexibilität schaffst

Rolling Forecast
Folgendes erwartet dich in diesem Beitrag zum Rolling Forecast:

Viele Unternehmen planen ihre Zukunft, als würden sie mit Scheuklappen laufen – sie schauen nur bis zum Jahresende. Doch was passiert danach? Genau hier setzt der Rolling Forecast an.

In diesem Beitrag erfährst du, warum ein klassischer Forecast oft zu kurz greift und wie du mit einem rollierenden Ansatz immer einen Schritt voraus bist.

Was ist ein rollierender Forecast?

Ein Forecast für Unternehmen ist nichts anderes als die Wettervorhersage: Wie beim Wetter, will man beim Forecasting eine möglichst realitätsnahe Vorhersage der zukünftigen Geschäftsentwicklung erwirken. Dazu werden bekannte Daten (aktuelle Zahlen des Geschäftsjahres) und Annahmen für die weitere Entwicklung (Forecast) kombiniert.

Das Problem daran? Viele Forecasts reichen nur bis zum Ende des aktuellen Geschäftsjahres. Damit wird die Sicht in die Zukunft immer kürzer. Das wollen wir nicht, denn sofern du dein Business nicht zum Jahresende zusperrst, ist der Jahreswechsel nichts besonderes. Das Geschäft geht weiter und daher muss im Forecast berücksichtigt werden, wie es weiter geht. Und genau hier kommt der Rolling Forecast ins Spiel.

Rolling Forecast = Prognose für einen fest definierten Zeitraum, der ggf. über das Wirtschaftsjahr hinausgeht (z.B.: 15 Monate)

Im Rolling Forecast wird also immer derselbe Zeitraum geplant. Folgende Grafik zeigt den fundamentalen Unterschied zum klassischen Forecast.
Forecasting_Reichweite

Schritt für Schritt zum Rolling Forecast

Damit sehen wir auch schon die Hauptvorteile eines Rolling Forecasts. Gerade in dynamischen Zeiten, sind starre Budgets nicht mehr der „way to go“. Rolling Forecasts berücksichtigen, wenn du sie quartalsweise aktualisierst, aktuelle Entwicklungen und bieten trotzdem einen ausreichenden Planungshorizont. Doch ist das alles nicht viel zu aufwendig für ein mittelgroßes Unternehmen, in dem es kein eigenes Finance Team gibt? Ganz und gar nicht!

Wenn du einen smarten Rolling Forecast Prozess etablierst, ist die Übung nicht nur qualitativ hochwertig, sondern auch recht schnell erledigt. Ich gehe mit meinen Kunden in diesen Schritten vor:

1. Template und Zeitraum vorbereiten

Bevor du beginnst, die Glaskugel mit Zahlen du bemalen, schaff dir erstmal eine gute Struktur. Dein Rolling Forecast Template benötigt folgende Rechnungen:
Rolling Forecast
Damit du nicht im Zirkelbezug untergehst, müssen diese drei Rechnungen miteinander sprechen (siehe dazu Punkt 3). Außerdem musst du für jede Rechnung eine ordentliche Zeilenstruktur und genügend Spalten für den Forecast-Zeitraum einbauen.

Pro-Tipp: Mach deinen Rolling Forecast auf Monatsebene und 12 Monate in die Zukunft. Wenn du also im April einen Rolling Forecast startest, lass ihn bis März des Folgejahres laufen.

2. Aktuelle Buchhaltungsdaten automatisiert „frontloaden“

Der Forecast setzt auf bekannten Daten aus dem laufenden Geschäftsjahr auf. Wenn du deinen Rolling Forecast im April durchführst, nutzt du die Buchhaltungsdaten für den Zeitraum Januar bis März. Bitte tippe diese Daten nicht ab, sondern gönne dir eine Finanzplanungs-Software, die das für dich macht.  Eine gute Finance Software holt die Daten aus der Buchhaltung und bereitet dir dein Forecast Template automatisiert vor.

Unser Tipp: Die Saldenliste liefert alle relevanten Informationen dazu. Hier findest du für jedes Buchhaltungstool die Anleitung, wie du zur Saldenliste kommst.

3. Parameter für den Rolling Forecast festlegen

Auf Basis der Ist-Daten legst du die wichtigsten Parameter für deinen Forecast fest. Ich gehe dabei nach 4 zentralen Parametern vor:

Hier findest du meine Checkliste für diese 4 Parameter:

Rolling Forecast

Der Trick dabei ist, dass du dich nicht zu sehr im Detail verlierst, sondern deinen Rolling Forecast entlang der 4 Parameter logisch miteinander verknüpfst. So kannst du beispielsweise deine Umsätze je Kunde oder je Service festlegen, wann du das Geld auf dein Konto bekommst (z.B.: 30 Tage nach Rechnung). Damit weißt du, sowohl was das für deinen Gewinn (Umsatz) und deinen Cashflow (Zahlungseingang) bedeutet.

Unser Tipp: Alles zum Thema Forecasting der Liquidität findest du hier: Cash Forecast

4. Szenarien ableiten

Auch wenn ich nun riskiere, deine Forecast-Toleranz zu strapazieren, belassen wir es nicht bei einem Forecast, sondern machen unseren Rolling Forecast in den folgenden 3 Szenarien:

Rolling Forecast

Die Übung ist in der Regel nicht sehr zeitaufwendig, da die unbekannten für die Szenarien in der Regel in den folgenden Parametern liegen:

Mit einer guten Parameterlogik, kannst du also sehr schnell die Szenarien ableiten.

Pro-Tipp: Vor allem der Worst Case ist das Szenario, von dem du am meisten lernst. Hier findest du eine Anleitung zur Erstellung eines Worst Case Szenarios.

Detailtiefe des Forecasts

Damit ist das Konstrukt geschaffen. Es bleibt noch die ewige Frage: „Wie detailliert soll der Foecast sein?“. Ich bin kein Fan vom „Ameisentätowieren“, daher finde ich, dass sich die Granularität deines Rolling Forecasts an der zeitlichen Nähe der Planungsperioden orientieren sollte. Das kann so aussehen:

Diese Vorgehensweise ermöglicht es, den Fokus auf kurzfristig präzise Planung zu legen, während für weiter entfernte Zeiträume Flexibilität bewahrt wird.

Fazit: Keep on rockin & Rolling Forecasting

Es gibt zwei Business Überlebensmechanismen: 1. Agilität und 2. Vorausschau. Ein Rolling Forecast wird deinem Unternehmen dabei helfen, agiler auf Veränderungen zu reagieren und eine bessere Vorausschau zu bekommen. Durch die kontinuierliche Aktualisierung der Prognosen löst du dich von starren Planungen und kannst proaktiv Maßnahmen ergreifen, um zu optimieren oder zu korrigieren.

Weiterführende Informationen

Die nackten Zahlen: Forecast in > 2 Stunden erstellen

Haufe: Allgemeine Tipps zum Rolling Forecast

Wir sind neugierig auf eure Erfahrungen!

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Die wichtigsten Fragen des Beitrags noch mal auf einen Blick

Beim Rolling Forecast wird immer derselbe Zeitraum in die Zukunft prognostiziert. Im Unterschied zum klassischen Forecast endet er nicht mit dem Ende des Geschäftsjahres, sondern geht darüber hinaus.

Ein Rolling Forecast beinhaltet alle Aspekte deiner Geschäftsentwicklung und damit:

  • Gewinn und Verlust
  • Bilanz
  • Cashflow
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