Keep on rollin‘: Wie du mit einem Rolling Forecast Sicherheit und Flexibilität schaffst
Viele Unternehmen planen ihre Zukunft, als würden sie mit Scheuklappen laufen – sie schauen nur bis zum Jahresende. Doch was passiert danach? Genau hier setzt der Rolling Forecast an.
Was ist ein rollierender Forecast?
Ein Forecast für Unternehmen ist nichts anderes als die Wettervorhersage: Wie beim Wetter, will man beim Forecasting eine möglichst realitätsnahe Vorhersage der zukünftigen Geschäftsentwicklung erwirken. Dazu werden bekannte Daten (aktuelle Zahlen des Geschäftsjahres) und Annahmen für die weitere Entwicklung (Forecast) kombiniert.
Das Problem daran? Viele Forecasts reichen nur bis zum Ende des aktuellen Geschäftsjahres. Damit wird die Sicht in die Zukunft immer kürzer. Das wollen wir nicht, denn sofern du dein Business nicht zum Jahresende zusperrst, ist der Jahreswechsel nichts besonderes. Das Geschäft geht weiter und daher muss im Forecast berücksichtigt werden, wie es weiter geht. Und genau hier kommt der Rolling Forecast ins Spiel.
Rolling Forecast = Prognose für einen fest definierten Zeitraum, der ggf. über das Wirtschaftsjahr hinausgeht (z.B.: 15 Monate)
Schritt für Schritt zum Rolling Forecast
Damit sehen wir auch schon die Hauptvorteile eines Rolling Forecasts. Gerade in dynamischen Zeiten, sind starre Budgets nicht mehr der „way to go“. Rolling Forecasts berücksichtigen, wenn du sie quartalsweise aktualisierst, aktuelle Entwicklungen und bieten trotzdem einen ausreichenden Planungshorizont. Doch ist das alles nicht viel zu aufwendig für ein mittelgroßes Unternehmen, in dem es kein eigenes Finance Team gibt? Ganz und gar nicht!
1. Template und Zeitraum vorbereiten
Pro-Tipp: Mach deinen Rolling Forecast auf Monatsebene und 12 Monate in die Zukunft. Wenn du also im April einen Rolling Forecast startest, lass ihn bis März des Folgejahres laufen.
2. Aktuelle Buchhaltungsdaten automatisiert „frontloaden“
Der Forecast setzt auf bekannten Daten aus dem laufenden Geschäftsjahr auf. Wenn du deinen Rolling Forecast im April durchführst, nutzt du die Buchhaltungsdaten für den Zeitraum Januar bis März. Bitte tippe diese Daten nicht ab, sondern gönne dir eine Finanzplanungs-Software, die das für dich macht. Eine gute Finance Software holt die Daten aus der Buchhaltung und bereitet dir dein Forecast Template automatisiert vor.
Unser Tipp: Die Saldenliste liefert alle relevanten Informationen dazu. Hier findest du für jedes Buchhaltungstool die Anleitung, wie du zur Saldenliste kommst.
3. Parameter für den Rolling Forecast festlegen
- Umsatz und Cash In
- Kosten und Cash Out
- Investitionen
- Finanzierung
Hier findest du meine Checkliste für diese 4 Parameter:
Der Trick dabei ist, dass du dich nicht zu sehr im Detail verlierst, sondern deinen Rolling Forecast entlang der 4 Parameter logisch miteinander verknüpfst. So kannst du beispielsweise deine Umsätze je Kunde oder je Service festlegen, wann du das Geld auf dein Konto bekommst (z.B.: 30 Tage nach Rechnung). Damit weißt du, sowohl was das für deinen Gewinn (Umsatz) und deinen Cashflow (Zahlungseingang) bedeutet.
Unser Tipp: Alles zum Thema Forecasting der Liquidität findest du hier: Cash Forecast
4. Szenarien ableiten
Auch wenn ich nun riskiere, deine Forecast-Toleranz zu strapazieren, belassen wir es nicht bei einem Forecast, sondern machen unseren Rolling Forecast in den folgenden 3 Szenarien:
Die Übung ist in der Regel nicht sehr zeitaufwendig, da die unbekannten für die Szenarien in der Regel in den folgenden Parametern liegen:
- Umsatz & Cash In
- Variable Kosten bzw. Personalkosten
Pro-Tipp: Vor allem der Worst Case ist das Szenario, von dem du am meisten lernst. Hier findest du eine Anleitung zur Erstellung eines Worst Case Szenarios.
Detailtiefe des Forecasts
Damit ist das Konstrukt geschaffen. Es bleibt noch die ewige Frage: „Wie detailliert soll der Foecast sein?“. Ich bin kein Fan vom „Ameisentätowieren“, daher finde ich, dass sich die Granularität deines Rolling Forecasts an der zeitlichen Nähe der Planungsperioden orientieren sollte. Das kann so aussehen:
- Kommendes Quartal: Detaillierte Planung sowohl für Kosten als auch für Umsätze, um kurzfristige Entscheidungen optimal zu unterstützen.
- Übernächstes Quartal: Die Kosten und Bestandskunden-Umsätze sollten weiterhin detailliert geplant werden, während vor allem Neukunde-Umsätze auf Basis eines erwarteten Szenarios prognostiziert werden.
- Drittes und viertes Quartal: Der Rolling Forecast für die letzten beiden Quartale basiert auf bekannten Geschäftsaktivitäten und fundierten Annahmen, wobei der Detailgrad geringer ausfallen kann. Hier bitte niemals den gesunden Hauch Pessimismus vergessen.
Fazit: Keep on rockin & Rolling Forecasting
Weiterführende Informationen
Die nackten Zahlen: Forecast in > 2 Stunden erstellen
Haufe: Allgemeine Tipps zum Rolling Forecast
Wir sind neugierig auf eure Erfahrungen!
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Die wichtigsten Fragen des Beitrags noch mal auf einen Blick
Ein Rolling Forecast beinhaltet alle Aspekte deiner Geschäftsentwicklung und damit:
- Gewinn und Verlust
- Bilanz
- Cashflow
- Autor: Bernhard Frühlinger
- Datum:
- Lesezeit: 4 min.
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